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Fedja und Großvater

 

Entwurf einer Szene für ein Hörspiel für Kinder im Grundschulalter

fedja und sein grossvater unterhalten sich über das leben in der vergangenheit und betrachten dabei verschiedene aspekte
des modernen lebens aus der perspektive einer "vernünftigen zukunft" ...


fedja und der großvater

( fedja und der großvater sitzen in der datscha des alten und spielen karten )

grossvater?

ja?

ich möchte dich gern etwas fragen.

nur zu, kind.

stimmt es, das es mal eine zeit gab, wo sich menschen richtig schlimme dinge angetan haben. dass sie sich sogar gegenseitig umgebracht haben?

tja, fedja, das stimmt leider. vor einiger zeit, im grunde genommen die meiste zeit, wo es menschen gab, haben sich menschen gegenseitig etwas angetan.

aber warum, großvater?

weil sie böse aufeinander waren.weil sie zum beispiel nach dingen strebten, die andere besassen und ihnen der besitz dieser dinge wichtiger war als das leben und wohlergehen der anderen menschen.

tat ihnen das hinterher nicht leid?

sicherlich. im ersten moment schon. doch es ist so, dass je mehr ein mensch schlechtes tut und nicht auf sein herz hört, je leiser wird sein herz mit der zeit werden. und dann tut ihm eine schlechte tat vielleicht nicht mehr so leid, wie es ihm beim ersten mal leid tat.

was ist "schlechtes" grossvater ?

"schlechtes"? mmh. "schlechtes" gibt es eigentlich nicht. aber es gibt taten, mit denen wir anderen lebewesen schaden. aber nicht nur das. wir schaden mit diesen taten auch uns selbst. wir kränken unser herz. wir tun ihm weh. und es fängt leise an zu weinen bis es irgendwann ganz verstummt, weil es keine tränen mehr hat...

haben die menschen nicht gemerkt, das ihr herzen angefangen haben zu weinen?

einige haben das gemerkt und haben angefangen, auf ihre herzen zu hören. andere haben sich taub gestellt für das, was ihnen ihr herz zu sagen hatte. vielen wurde ihr herz mit der zeit lästig. sie wollten am liebsten, das es ganz schweigt und konnten das weinen nicht mehr mit anhören.

und da ist das herz dann leise geworden und hat aufgehört zu klagen?

ja. es konnte nicht mehr sprechen und es wollte irgendwann auch nicht mehr sprechen. die menschen meinten nun, sie wären ihr herz los und könnten nun tun, was sie wollten. aber ihr herz war immer noch da. nur dass es nichts mehr empfand. keinen schmerz, kein mitleid, keine freude...

arme menschen...

ja, fedja. aber die menschen lebten auch in einer zeit, wo von ihnen regelrecht verlangt wurde, kein herz zu haben. es wurde ihnen fast aberzogen. es war eine kalte zeit. eine kalte zeit für die herzen der menschen.

aber jetzt ist doch alles wieder gut?

ja. weil sich die menschen eines besseren besonnen haben. sie begannen, über das leben nachzudenken. sie fingen an, ihre kinder dafür zu bewundern, dass diese noch auf ihr herz hören konnten. sie wollten wieder lachen, sich freuen, weinen und auch trösten können, wie es ihre kinder taten.

und dann wurde alles besser?

nicht sofort. es kann sehr lange dauern, bis man sein herz wieder hören kann, wenn es erst einmal leise geworden ist. ein herz lässt sich auch nichts einfach so befehlen. aber die menschen sehnten sich mehr und mehr nach dem klang ihrer herzen. und so kam es dass ihre herzen wieder mit ihnen sprachen.

und heute streitet niemand mehr um dinge und tut anderen weh?

zum glück nicht. weil es eigentlich keinen grund zum streiten mehr gibt. früher gehörte wenigen vieles und vielen weniges. heute besitzt jeder das, was er gerade zum leben braucht. nicht mehr und nicht weniger. er braucht anderen nichts mehr wegzunehmen um glücklich zu sein. im gegenteil: er verschenkt dinge, um anderen damit ein freude zu machen und wird dadurch noch glücklicher.

haben die menschen das früher etwa nicht getan?

doch, doch. aber viele leute haben beim schenken dankbarkeit erwartet. es ist etwas anderes, wenn man etwas verschenkt und dafür eine gegenleistung erwartet oder ob man einfach so schenkt. selbst wenn man sich darauf etwas einbildet, etwas verschenkt zu haben ist das auch schon wie eine art gegenleistung. aber mit schenken hat das eigentlich nichts zu tun. schenken tut man einfach so. weil es freude macht.

hatten die menschen vielleicht auch deshalb soviel streit weil sie das schenken verlernt hatten?

das kann man wohl sagen. sie sind mit der zeit geizig geworden, was das schenken betraf. und damit kam ihnen die freude abhanden, die man hat, wenn man etwas nur einfach so verschenkt. und wenn man keine freude hat im leben, fängt man an, über irgendetwas zu streiten...

..und vertut damit seine zeit...

..mmh.

ich bin müde geworden, grossvater. ich werde jetzt ins bett gehen.

ist gut fedja.

gute nacht, grossvater.

gute nacht fedja.


( 2006 )